KNX am Firmware-Bus: Wenn das Update ohne Siegel durch die Wand kriecht

Satirische Blechpresse-Illustration: klassische KNX-Module im Gebäudetechnik-Schrank, physischer Buszugriff, Firmware-Update-Presse ohne Integritätssiegel und integrierte dirk-f.de-Markierung.

Im Gebäudetechnik-Schrank hängt ein Bus, der sehr altmodisch ehrlich ist: zwei Drähte, viele Klemmen, ein bisschen Staub und die stille Hoffnung, dass niemand mit falschen Fingern daran herumfummelt. Genau dort hat CISA jetzt eine ABB-Warnung auf den Arbeitstisch gelegt. Nicht mit Sirene, eher mit diesem trockenen Knacken, wenn ein Siegel fehlt.

Die Meldung heißt ICSA-26-209-07 und betrifft das ABB KNX Update Tool beziehungsweise die BJE/ABB-Firmware-Update-App in Versionen bis einschließlich 2.0.175. Die Schwachstelle läuft als CVE-2026-12705. Der Kern ist erstaunlich unglamourös: Bei klassischen KNX-Geräten fehlt laut Advisory ein Schutz für die Integrität des Firmware-Images. Also genau das kleine Prüfsiegel, das sagen soll: Diese Update-Platte wurde unterwegs nicht verbogen.

Das Update kommt nicht aus der Wolke, sondern aus der Wand

Wichtig ist der Rahmen, bevor jemand den großen Internet-Hammer aus dem Regal nimmt: CISA und ABB beschreiben keinen Fernangriff aus dem Nachbarland per Kaffeepad. Für aktive Ausnutzung braucht ein Angreifer physischen Zugriff auf den Bus, an dem das betroffene Gerät hängt. Das ist weniger Kinofilm, mehr Hausmeisterraum. Aber genau diese Räume steuern manchmal Licht, Türen, Hotelzimmer, Zutritt, Jalousien und andere Dinge, bei denen „ach, wird schon“ irgendwann nach Versicherungsformular riecht.

ABB schreibt laut CISA außerdem, dass die Lücke ausschließlich klassische KNX-Geräte betrifft, die den neueren KNX-Secure-Standard nicht unterstützen. Und jetzt kommt der Satz, bei dem die Werkstatt kurz still wird: Aufgrund der Natur des klassischen KNX-Protokollstacks und Sicherheitskonzepts gebe es keine technische Möglichkeit, diese Schwachstelle per Software-Update sauber zu beheben. Kein Zauber-Patch. Kein glänzendes Pflaster. Eher: Das Blech wurde damals ohne diese Falz gebaut.

Legacy heißt hier: Der Stempel fehlt ab Werk

Die Einstufung ist mittel, CVSS 3.1 liegt bei 6.4. Das klingt moderat, bis man sich vorstellt, was ein Gebäude so alles an „mittelwichtigen“ Funktionen an sehr alten, sehr braven Modulen hängen hat. CISA nennt als mögliche Folge, dass ein erfolgreich ausgenutzter Fehler das Produkt unbenutzbar machen kann. In der FAQ zur Advisory steht außerdem: Wer Firmware manipuliert oder den Datenfluss zwischen Gerät und Update-Tool abfängt, kann bei physischem Zugriff Ärger erzeugen; in bestimmten Fällen könnte auch Verhalten verändert werden.

Die Blechpresse übersetzt das so: Ein Update ohne Integritätsprüfung ist wie ein Paketband ohne Waage. Solange nur der richtige Monteur kommt, läuft die Anlage in Arbeitskleidung weiter. Kommt aber jemand an die Klemmen, der nicht nur Staub wischen will, schiebt die Presse möglicherweise genau das falsche Stück Firmware-Blech in die Wand.

Keine Reparatur? Dann bleibt nur saubere Umgebung

ABBs Empfehlung ist deshalb nicht besonders sexy, aber solide: allgemeine Sicherheitsrichtlinien befolgen und sensible Funktionen nicht über Legacy-KNX-Geräte steuern, wenn diese alten Geräte die nötigen Schutzmechanismen gar nicht kennen. Besonders genannt werden etwa Zutrittskontrollen für Hotelzimmer oder andere geschützte Bereiche. Das ist kein Verbot von Gebäudetechnik. Es ist ein Hinweis darauf, dass ein alter Bus nicht plötzlich zum Tresor wird, nur weil man ihn ordentlich beschriftet.

Für Betreiber heißt das: Buszugang physisch absichern, Schränke nicht als offene Besenkammer behandeln, Altgeräte inventarisieren, KNX Secure bei Neubau oder Erneuerung ernst nehmen und kritische Funktionen nicht an Komponenten hängen, deren Sicherheitsmodell aus einer höflicheren Zeit stammt. Manchmal ist Risikomanagement keine neue Plattform. Manchmal ist es ein Schloss am Technikraum und die unangenehme Excel-Liste mit Geräten, die seit 2013 niemand mehr beim vollen Namen nennen möchte.

Die Zukunft blinkt derweil hinter Glas. Der alte KNX-Bus tut weiter Dienst, aber die Update-Presse weiß jetzt offiziell: Ohne Siegel wird es blechern. Und wer an der Wand klemmt, klemmt nicht nur Drähte — er klemmt Verantwortung.

Quellen