Im Kontrollraum hängt ein Anlagenbild an der Wand: Tanks, Rohre, Ventile, alles hübsch geordnet, als hätte die Fabrik morgens ihr Hemd gebügelt. Dann kommt eine Datei herein, angeblich nur ein Mimic Diagram, und irgendwo in der Definition-Presse fährt ein Stanzstift über die Führung hinaus. Willkommen bei Schneider Electric IGSS, wo eine Zeichnung plötzlich Zähne bekommt.
CISA hat am 30. Juli 2026 ICSA-26-211-04 zu Schneider Electric IGSS veröffentlicht. Der Kern: CVE-2026-12927, ein Out-of-bounds-write im IGSS Definition-Modul, also jener Entwurfsumgebung, mit der Integratoren Mimic-Diagramme für Anlagenpersonal bauen. Laut Advisory kann ein bösartiger CGF-Import Datenverlust verursachen oder potenziell beliebige Codeausführung riskieren. Die Blechpresse notiert: Eine Datei, die eigentlich nur erklären soll, wo das Ventil sitzt, darf nicht selbst zum Ventil werden.
Das Diagramm ist kein Deko-Zettel
SCADA-Mimics sind die Landkarten industrieller Abläufe. Wer dort Pumpe, Tank und Leitung sieht, sieht nicht bloß Grafik. Er sieht Bedienoberfläche, Betriebslogik, Routinen, manchmal auch schlechte Laune aus der Nachtschicht. Wenn die Importfunktion für solche Zeichnungen stolpert, landet der Fehler nicht im Bastelordner, sondern im Vorraum der Steuerung.
Der CISA-Eintrag nennt IGSS Definition (Def.exe) bis 18.0.0.26124 als betroffen und verweist auf 18.0.0.26125 als Version mit Fix. Auf Schneiders Security-Notifications-Seite ist die Meldung als SEVD-2026-195-01 aufgeführt: Out-of-Bounds Write in IGSS, CVE-2026-12927, CWE-787. Das ist der trockene Teil. Der nasse Teil ist der Kaffee auf dem Schaltplan, wenn jemand merkt, dass „Datei öffnen“ in Wirklichkeit „Speicher anstanzen“ heißen kann.
Patchen ist gut, Importdisziplin ist besser
Die empfohlene Reparatur ist schlicht und rostfrei: IGSS aktualisieren. CISA beschreibt außerdem als Mitigation, keine Befehle auszuführen und keine Dateien aus unvertrauenswürdigen Quellen zu importieren oder zu öffnen. Das klingt nach Standardplakat, ist hier aber genau der Nagel: Eine Designzeit-Datei ist nicht harmlos, nur weil sie nach Zeichnung aussieht.
Für Betreiber heißt das: Update-Fenster prüfen, Integratoren-Kette prüfen, Austauschordner prüfen. Wo SCADA-Projektdateien per Mail, USB-Stick, Fileshare oder Dienstleister-Koffer wandern, sollte nicht nur der Virenscanner husten. Es braucht Herkunft, Freigabe, Testumgebung und den Mut, eine vermeintlich dringende Datei erst einmal in Quarantäne zu setzen. Die Anlage läuft nicht besser, wenn der Mimic hübsch ist und darunter die Lochstanze singt.
Blechpresse-Fazit
Manchmal ist die gefährliche Stelle nicht der Controller im Schaltschrank, sondern der Zeichentisch daneben. IGSS zeigt hier eine alte Wahrheit mit frischem Rost: Bedienbilder sind Betriebsmittel, Projektdateien sind Eingaben, und Eingaben sind kleine Maschinen mit Absichten, sobald ein Angreifer sie anfassen darf.
Also: Patchwalze anwerfen, CGF-Blätter nicht aus dunklen Aktenkellern importieren, und die SCADA-Zeichnung behandeln wie ein Werkzeug. Schön, wenn sie die Anlage erklärt. Schlecht, wenn sie beim Öffnen selbst anfängt zu stanzen.
