NASA cFS: Der Flugcomputer stolpert über den Null-Zeiger

Satirische Blechpresse-Illustration: generischer Flugcomputer mit Health-and-Safety-Wachmodul, Nullzeiger-Loch, Reset-Rutsche, Satellitenmodell, Telemetriepfad und integrierter dirk-f.de-Markierung.

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Im Kontrollraum liegt ein Zeiger auf dem Boden. Nicht als Pfeil an der Wand, sondern als dieses kleine Softwareteil, das eigentlich wissen müsste, wohin es zeigt. Daneben steht ein Flugcomputer, beleidigt blinkend, und wartet darauf, dass jemand erklärt, warum Sicherheit heute schon wieder mit einem Loch im Speicher beginnt.

CISA hat am 30. Juli 2026 das Advisory ICSA-26-211-06 zur NASA Core Flight System (cFS) Health & Safety (HS) Application veröffentlicht. Der neue Vorgang heißt CVE-2026-18064. Laut CISA steckt darin ein unvollständiger Fix für CVE-2026-15352: Eine separate NULL Pointer Dereference bleibt bis einschließlich Version 7.0.1 erreichbar.

Der Wachhund tritt ins Leere

Die HS-Anwendung soll im cFS-Universum gerade nicht dekorativ herumstehen. Sie beobachtet, sie reagiert, sie hält Gesundheit und Sicherheit des Systems im Blick. Genau deshalb klingt der Fehler so schön rostig: Ein Angreifer, der den betroffenen Befehl unter bestimmten Bedingungen auslösen kann, bringt ausgerechnet dieses Wachmodul zum Absturz. Die Folge laut Advisory: Denial of Service und Prozessor-Reset.

Das ist keine Weltraumoper mit Lasern. Es ist Werkstattphysik in C: Da wird ein Zeiger erwartet, aber im Regal liegt nichts. Wer dann trotzdem beherzt zugreift, greift ins Leere. In der Blechpresse fällt an dieser Stelle ein Prozessorbrett in die Reset-Rutsche, und irgendwo im Hintergrund fragt ein Formular, ob das wirklich als Gesundheitsprüfung zählt.

Hoch bewertet, eng eingerahmt

CISA bewertet die Schwachstelle mit CVSS 3.1: 7.5 und CVSS 4.0: 8.2. Der betroffene Sektor ist Transport, die Verbreitung wird als weltweit beschrieben. Gleichzeitig nennt CISA keine bekannte öffentliche Ausnutzung speziell gegen diese Schwachstelle. Das ist die nüchterne Seite des Blechs: hoher technischer Schaden möglich, aber kein Anlass, jetzt dramatisch Satelliten aus dem Fenster zu werfen.

Die Abhilfe ist ebenfalls nicht sonderlich glamourös. NASA berichtet laut CISA, dass ein offizieller Fix in Entwicklung ist und in einer künftigen Softwareversion landen soll. Als Zwischenmaßnahme verweist das Advisory auf den aktuellen Dev-Branch des HS-Repositories; der Fix beginne dort ab Commit 828855f971db4b6714367ed0a970f52dbeab2965.

Wenn Safety selbst stolpert

Der interessante Teil ist nicht, dass Software Fehler hat. Das ist so überraschend wie Staub auf einem Serverschrank. Interessant ist, wo der Fehler sitzt: in einer Komponente, die Gesundheit und Sicherheit überwachen soll. Solche Module genießen Vertrauen, weil sie im Störfall nicht lange philosophieren sollen. Wenn dort ein Nullzeiger den Reset auslöst, wird aus dem Sicherungsautomaten kurz ein Stolperdraht.

Für Betreiber bleibt der alte, unromantische Zettel am Schaltschrank: Version prüfen, Fixpfad beobachten, Dev-Branch nur nach eigener Risikoanalyse übernehmen, Systeme nicht unnötig ins Netz hängen, Segmentierung und Firewalls nicht als Deko behandeln. Und bei jedem Workaround kurz daran denken: Auch im All beginnt Verfügbarkeit manchmal mit einem sehr irdischen Pointer.

Quellen