Im Schaltschrank hat jemand ein Fenster offen gelassen. Nicht groß, nicht dramatisch mit Donner und Hollywood, eher so ein kleines Webverwaltungs-Kippfenster an einer seriellen Kiste, die seit Jahren brav zwischen Maschinen, Leitständen und Netzwerkkabeln vermittelt. Genau dort zieht es jetzt.
Die US-Behörde CISA hat am 7. Juli 2026 ein ICS-Advisory zu Digi International PortServer TS, Digi One SP, Digi One SP IA und Digi One IA veröffentlicht. Betroffen sind laut Advisory Firmwarestände vor Firmware_2025. Das klingt wie ein kleiner Zettel am Geräteschrank. In Wirklichkeit ist es der Zettel, den niemand lesen will, weil dahinter noch drei Kabelbinder und ein Wartungsvertrag von früher liegen.
Die Tür ist seriell, der Wind ist Web
Der Faktenkern ist nüchtern genug, dass er schon wieder ölig glänzt: CISA nennt zwei CVEs, CVE-2026-12352 und CVE-2026-12948. Die eine Schwachstelle beschreibt eine Authentifizierungsumgehung, bei der ein nicht authentifizierter Akteur Zugriff auf eingeschränkte Ressourcen erhalten kann. Die andere betrifft gespeichertes Cross-Site-Scripting in der Weboberfläche. Also: erst zieht es an der Tür, dann kritzelt jemand im Verwaltungsfenster herum. Sehr Verwaltungsgebäude, sehr Internet, sehr Maschine.
Der CVSS-Wert im Advisory steht für Version 3.1 bei 5.9 und für Version 4.0 bei 8.2. Das ist kein Weltuntergang mit Blaskapelle, aber auch kein Staubkorn, das man mit dem Ärmel wegwischt. Gerade serielle Geräte stehen gern an Orten, an denen sie nicht auffallen sollen: im Nebenraum, im Schaltschrank, hinter der Anlage, dort wo das Netzwerk irgendwann einmal „nur kurz“ angeschlossen wurde und seitdem Geschichte spielt.
Die Abhilfe trägt Arbeitshandschuhe
Digi empfiehlt laut CISA langfristig den Umstieg auf Digi Connect EZ oder Digi Connect EZ TS. Wer nicht sofort tauschen kann, soll je nach Gerät HTTPS für den Webserver aktivieren oder den Webserver abschalten, wenn er nicht zur Konfiguration gebraucht wird. Zusätzlich nennt das Advisory die üblichen, aber in der Praxis nie ganz üblichen Dinge: vertrauenswürdiges Netzwerksegment, Firewall oder VPN davor, Zugriff auf die Webmanagement-Schnittstelle nur für vertrauenswürdige Admin-Hosts, Zugangsdaten ordentlich hüten.
Das ist keine romantische Empfehlung, sondern die Stelle, an der der Schraubendreher wieder in die Hand muss. Nicht weil jede alte Box sofort brennt. Sondern weil „Weboberfläche an OT-Gerät“ ein Satz ist, der im Serverraum immer ein bisschen nach offener Kellertür riecht.
Kein Fernkriegsgeheul, bitte
Wichtig: CISA schreibt auch, dass ihr zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine bekannte öffentliche Ausnutzung speziell gegen diese Schwachstellen gemeldet wurde. Die Blechpresse stellt also keine Sirene aufs Dach. Sie stellt einen öligen Hocker vor den Schaltschrank und sagt: bitte einmal nachsehen, bevor der Webwind die alten Zettel in die Walzen treibt.
Und ja, irgendwo wird jetzt jemand sagen: „Das Ding hängt doch gar nicht im Internet.“ Schön. Dann bleibt nur noch die kleine Übung, das zu beweisen. Firewall-Regeln sind wie Schrauben: Man glaubt, sie sitzen fest, bis man mit dem Finger drankommt.
Quellen
CISA ICS Advisory ICSA-26-188-07: Digi International PortServer TS, Digi One SP IA; Digi International Support.
