Was der Hund am Morgen anders sah

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Der Hund stand vor der Haustür und starrte die Straße an. Nicht die normale Art von Starren. Nicht nach Auto, nicht nach Katze. Irgendwo anders hin.

Ich hab ihm das nicht gesagt, aber ich glaub, er hat’s gewusst. Dass da was war. Etwas, das nicht hingehörte. Hast du’s je gemacht, mitten in der Nacht rausgehen, weil der Hund nicht aufhört zu stehen? Nichts bellt. Nichts knurrt. Einfach so. Kopf leicht geneigt. Warten.

Um drei Uhr morgens. Man steht im Türrahmen, T-Shirt zu kurz, Füße kalt auf Fliesen und der Hund — der starrt einfach. Ich bin hinten raus. Die Straße war leer. Ganz richtig leer. Selbst die Mülltonnen im Hof standen anders als sonst, drei Schritte versetzt, als hätte jemand sie im Dunkeln neu sortiert.

Und doch. Da war was.

Ich weiß nicht, was. Das ist das Erschreckende. Nicht, dass etwas passiert wäre. Sondern dass der Hund es gesehen hat, und ich nicht, und jetzt sitzen wir da und starren an die Decke, dieses trockene Kratzen im Rachen, dieses Surren, das man erst hört, wenn man aufhört, nach Worten zu greifen.

Man kann denken, es war ein Klang. War es nicht. Ein Licht? Ebenfalls nicht wirklich. Es war mehr so … wie wenn jemand deinen Namen ruft, aber leise. So weit weg, dass man selbst nicht weiß, ob es überhaupt deiner war. Ob es überhaupt einer war.

Der Hund bellte nicht. Der machte sich nur kleiner. Als wollte er in den Boden zurück.

Am nächsten Morgen war alles normal. Wecker. Kaffee. Hund. Alles wie immer. Nur — das Glas im Schrank hatte ich woanders hingestellt. Und das Glas war leer.

Das Heimvideo zeigte nichts. Nur den Hund, der vor der Haustür steht. Und sich dann dreht, als hätte ich etwas gesagt. Wir sahen zum Horizont. Kurz. Zu zweit. Wie Kinder, die verstehen, wenn Erwachsene reden, was sie sich nicht vorstellen können.

Manchmal denke ich, Tiere wissen mehr über die Stille als wir. Ob das besser ist, weiß ich nicht. Nur — mehr.

ps: Der Hund ist übrigens das Tier, das immer nur ruhig an der Tür steht, dann zurücksieht, und seine Augen — wir behaupten ja selbst, wenn wir es nicht wissen — wir glauben: doch.