Der Server will nicht mehr im Besenschrank wohnen

Illustration eines Servers in einem Besenschrank mit Kabeln, Besen und Schild „Nicht mein Besenschrank“.

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Fiktion. Leider eine Sorte Fiktion, die nach warmem Staub riecht. Um 7:04 Uhr räusperte sich der Besenschrank.

Das war erst einmal nicht vorgesehen. Besenschränke räuspern sich selten, sie knarzen höchstens, und selbst das meistens in einer Tonlage, die man organisatorisch ignorieren kann. Herdolf blieb mit der Kaffeetasse in der Hand stehen. Aus der Ritze unter der Tür kam ein Licht, klein und grün, dann gelb, dann wieder grün. Diese Ampel der schlechten Laune.

„Nicht schon wieder“, sagte jemand aus der Anzeigenabteilung, die nur aus einem alten Stempel und drei beleidigten Büroklammern besteht.

Herdolf öffnete die Tür. Drinnen stand der Server. Also: stand. Eher hockte er zwischen einem Eimer, zwei Kabeltrommeln und dem Besen mit der krummen Wirbelsäule. Vorne blinkte er. Hinten fauchte er. Oben lag ein Staubteppich, der vermutlich Mietrecht beanspruchen konnte.

Auf dem kleinen Diagnosezettel, den der Drucker ungefragt ausgespuckt hatte, stand: Ich wohne hier nicht. Ich werde hier nur abgestellt.

Das ist der Unterschied, den Büros gerne übersehen. Ein Gerät ist nicht automatisch Infrastruktur, nur weil man es in einen dunklen Raum schiebt und danach hofft, dass die Kabel sich schon benehmen. Infrastruktur ist keine magische Kiste. Sie ist eher ein Haustier mit Lüfter. Man muss sie füttern, beschriften, belüften, manchmal auch freundlich anlügen.

Der Server hatte eine Liste vorbereitet. Natürlich hatte er eine Liste vorbereitet. Maschinen, die lange genug neben Reinigungsmitteln stehen, werden entweder spirituell oder pedantisch.

Er verlangte: einen Platz ohne tropfenden Wischmopp. Ein Kabel, das nicht „das graue da“ heißt. Ein Schild, auf dem nicht bitte nicht ausstecken, wichtig? steht, sondern etwas mit Datum und Zuständigkeit. Und Luft. Einfach Luft. Keine große Rede über Resilienz, kein Poster mit Rakete, nur Luft, die vorne rein und hinten wieder raus darf, ohne erst über den Bodenwischer zu verhandeln.

Herdolf nickte langsam. Das ist immer gefährlich, wenn Menschen langsam nicken; dann haben Maschinen kurz Hoffnung.

„Wir prüfen das“, sagte er.

Der Server wurde sehr still.

„Nicht prüfen prüfen“, korrigierte Herdolf. „Mehr so: Tür auf, Staub weg, Kabel neu, Schild dran. Heute. Vor dem zweiten Kaffee.“

Da summte das Gerät. Nicht glücklich, nein. Glücklich ist ein großes Wort für Blech mit Netzteil. Aber weniger eingeschnappt. Manchmal ist das im Maschinenraum bereits ein Feiertag, nur ohne Kuchen, weil Kuchen Krümel macht und Krümel in Lüftern politisch schwierig sind.

Um 8:16 Uhr stand der Besen allein im Schrank und sah aus, als hätte er einen Mitbewohner verloren. Der Server bekam ein Regal, einen Streifen Klebeband mit Namen, und die Redaktion bekam eine kleine Lektion: Wenn etwas die Zeitung am Laufen hält, sollte es nicht neben dem Glasreiniger über seine Würde verhandeln müssen.

Später klebte Herdolf einen Zettel an die Tür: Infrastruktur ist kein Gerümpel mit Strom.

Der Server blinkte grün. Diesmal klang es fast wie Zustimmung. Ach, wahrscheinlich war es nur die Netzwerkkarte. Aber man nimmt, was man kriegt.

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